Eine Reflexion über die Corona-Krise

Krise als Chance
Krise als Chance

Leben in Zeiten von Corona.

Eigentlich sollte heute hier im Blog ein Text über die faszinierenden Lichtraum-Installationen des Künstlers James Turrell erscheinen. Doch da in diesen Tagen nichts mehr ist, wie es war, konnte und wollte ich nicht einfach „Business as usual“ machen. Stattdessen möchte ich mit dir meine Gedanken zu den Geschehnissen rund um Corona teilen. Das Thema ist omnipräsent. Jeden Tag geht es Schlag auf Schlag: neue Fallzahlen, neue Einschränkungen, neue Hiobsbotschaften… Das Leben, das wir alle noch vor zwei Wochen geführt haben, ist momentan so nicht mehr möglich.

Die Dynamik der Krise

Die Corona-Krise hat eine bemerkenswerte Dynamik entwickelt, die ständig mehr Fahrt aufzunehmen scheint. Mich erinnert das an eine Erfahrung, die ich vor einiger Zeit machen konnte, als ich zu Besuch bei einem Freund war. Er ist Tüftler und Bastler und hatte in einem Zimmer seines Hauses eine fast raumfüllende Kugelbahn gebaut. Als ich den Raum betrat, fühlte sich das in etwa so an:

Ich stehe mitten drin. Fasziniert und gleichzeitig sprachlos. Es riecht nach frischem Holz. Es bäumt sich strukturiert und dynamisch vor mir auf. Füllt den ganzen Raum. Zieht mich in seinen Bann. Nimmt mich mit. Umhüllt mich. Mein Auge sucht Orientierung. Anfang und Ende. Meine Ohren versuchen die Holzkugel zu orten, die freudig-lebendig ihre Bahnen zieht. Da blitzt sie auf. Zeigt sich meinem Blick für einen raschen Moment. Und taucht gleich wieder ab. Ein Teil von mir heftet sich an sie und flitzt mit ihr durch das Kugelbahn-Labyrinth. Spürt den Fahrtwind. Das Auf und Ab. Verschmilzt mit der Dynamik. Und ganz plötzlich – Zack – katapultiert es die Kugel aus dem System. Sie nimmt die Bande, prallt heftig auf. Die dynamische Fahrt findet kullernd ihr jähes Ende auf dem Fußboden. Das Spiel ist aus. Die Faszination verflogen.

In Gedanken nimmt ein Teil von mir gerade jetzt wieder Platz auf dieser Kugel. Ich fühle mich einerseits vertraut mit dem Holz, andererseits ambivalent mit dem Leitsystem. Ich bin stolz auf meine Flexibilität – und werde dennoch ungeduldig. Ich hege die Hoffnung, dass irgendetwas meine Fahrt irritiert und mich aus dem System entlässt – und einen Blick von außen ermöglicht, ganz ohne Corona-Panik.

Sein in Zeiten von Corona

Die Dynamik nimmt ihren Anfang in China. Schwappt nach Italien. Nistet sich in Europa ein. Schwimmt und fliegt über den Atlantik. Erobert die gesamte Welt. Ein Virus besetzt ganze Völker, Länder und Kontinente. Unabhängig von der Nationalität steht am Ende immer ein individueller Mensch.

Die Aufmerksamkeit wächst. Das Gefühl der Bedrohlichkeit nimmt zu. Jetzt geht es der Wirtschaft an den Kragen. Institute und Politiker rufen zur Besonnenheit auf. Jonglieren dabei undifferenziert mit Zahlen, die scheinbar Absolutheitsanspruch haben. Sie nähren die Angst. 

Messen und Großveranstaltungen werden präventiv abgesagt. Unternehmen beobachten die Lage. Ziehen dann nach: mit Homeoffice, Angebotsreduktion, neuen Produkten, die aktuelle Bedürfnisspitzen decken sollen. Die Medien spielen ihr ganz eigenes Spiel. Das öffentliche Leben wird eingeschränkt. Kindergärten und Schulen schließen. Das kulturelle Leben wird im Keim erstickt. Als nächstes: nach Möglichkeit keine sozialen Kontakte mehr. Wir sitzen in Isolation oder Quarantäne zu Hause.

Wissenschaft, Wirtschaft, und Politik sind wie drei Holzmurmeln in der Kugelbahn: Schnell in der Dynamik. Manchmal entstehen „Hänger“ im Lauf der Kugeln. Welche fliegt wann aus der Bahn? Wer kann die Lage mit angemessener Außensicht auf das System einschätzen? Die Veränderung nimmt schier unaufhaltsam ihren Lauf: Von Höchstgeschwindigkeit hin zu Stillstand. Von der Außenorientierung ins Innen. Von der Individualität zur Solidarität. Von persönlich zu digital. Vom Alltags- in den Sicherungsmodus der eigenen Existenz.

Ein krasser Veränderungsprozess

Doch Stopp. Ich bin die Letzte, die schwarzmalerische Szenarien skizzieren mag. Stattdessen hoffe ich mit Herz und Kopf, dass dieses Momentum an Veränderungsprozess ein Lehrmeister für uns alle wird. Dass es unsere Anpassungsfähigkeit schult, unser Lernen optimiert. Und dass wir es uns erlauben, diesen Prozess zwischendurch wie auch rückblickend kritisch zu beäugen: 

  • Welche Systeme und Besonderheiten wirken beschleunigend? 
  • Welche versteckten Motivatoren stoßen etwas an? 
  • Werden auch kritische Stimmen gehört und zugelassen?
  • Welche Spuren hinterlässt diese Krise in unseren (Arbeits-)Beziehungen? 
  • Gehen wir nach der Krise zurück auf „Los“? Oder zu alten Strukturen – wenn das überhaupt noch möglich ist? 
  • Welche neuen und veränderten Systeme wachsen bereits während der Krise?
  • Was möchten wir zukünftig anders machen? 
  • Was ist uns wichtig? Was möchten wir beibehalten – und wofür lohnt es sich zu kämpfen?
  • Wie wollen wir unsere Kultur wiederbeleben?
  • Wie unsere (Arbeits- oder Länder-)Beziehungen gestalten?

Sicherlich werden wir in dem ein oder anderen Bereich zurück in unsere alten Muster schnellen. Anderes wird nicht mehr rückgängig zu machen sein. Manches werden wir ganz neu gestalten können. Das Wie und Was macht mich neugierig. Packen wir es jetzt schon an! 

Was macht das mit uns als Individuum?

Die Unsicherheit kriecht in die Menschen wie wabernder Nebel. Angst und Panik bekommen Raum. Orientierungslosigkeit wächst. Vorhersagbarkeit schwindet. Fragen sammeln sich an. Die Gültigkeits-Halbwertzeit der Antworten wird immer kürzer. Das Gefühl von Überforderung und Einsamkeit nimmt zu. Aktivitäten sind eingeschränkt. Existenzen sind gefährdet.

Gleichzeitig macht uns die Krise ein großes Geschenk: Viele Menschen haben plötzlich ganz viel Zeit. Zeit für Lachen. Zeit für Geschichten. Zeit für Liebe. Zeit für Familie. Zeit für Bücher. Zeit für gemeinsames Spielen. Zeit für Natur. Zeit für Ruhe. Zeit fürs Nachdenken. Zeit fürs Neuausrichten. Zeit für einen Blick auf Chancen. Zeit für mich selbst. Zeit, schon jetzt meinen Weg in die Zukunft anzuvisieren.

Komm gut durch die Krise!

Wie auch immer du durch diese herausfordernde Zeit gehst: Ich wünsche dir dafür ein klares Herz und einen klaren Kopf. Übrigens: Ich selbst nutze jetzt die Zeit der Ruhe zum Frühjahrsputz, für Dinge, die bis dato „on hold“ lagen, zur Lang-Weiligkeit, aus der heraus Kreatives entstehen darf und zur Neuausrichtung. Wer mich erreichen mag: Kontaktiere mich gerne per E-Mail oder Telefon. Coachings per Skype oder Telefon sind als Überbrückungs-Lösung möglich. 


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