Positive Psychologie

Close-up shot of a husky dog's blue eyes
Indianische Weisheit

Die Kraft der Indianer-Geschichten.

Winnetou und Old Shatterhand zählten zu den Helden meiner Kindheit. Stundenlang konnte ich den spannenden Abenteuern Karl May’s auf LP (ja, die gute, alte Langspielplatte) zuhören. Diese „Hör-Erlebnisse“ öffneten mir den Zugang zu der Kraft von Geschichten. Es ist ja Tradition der Indianer, abends am Lagerfeuer beisammen zu sitzen und bis in die Nacht hinein Geschichten zu erzählen. Vor allem die Kinder lauschen gebannt der Stimme des Erzählers, bis sie von ihr in den Schlaf gewiegt werden. So lernen sie quasi „im Schlaf“ prägende Weisheiten für ihr Leben. 

Geschichten berühren und bewegen

Auch im Coaching habe ich die Erfahrung gemacht, wie kraftvoll Geschichten wirken können. 

Sie haben den großen Vorteil, dass sie das Gegenüber nicht direkt konfrontieren. Mit einer passenden Geschichte kann ich meine:n Gesprächspartner:in im Herzen erreichen, ohne dass Widerstände mich abblitzen lassen. Das ist oft bei einem direkten Ansprechen des Themas nicht möglich. 

Warum das so ist? Weil Geschichten manchmal mehr zu transportieren vermögen, als wir vielleicht denken. Sie geben uns die Freiheit, das mitzunehmen, was uns wichtig ist. Geschichten beurteilen oder verurteilen nicht – es gibt hier kein Richtig und kein Falsch. In ihnen steckt enorme Kraft und Potenzial, uns zu berühren und damit zu bewegen.

Indianische Weisheit: „Die zwei Wölfe“

Die folgende Geschichte teile ich gerne mit meinen Klienten, wenn sie in einem Polaritäten-Konflikt feststecken. Was ist gut, was ist schlecht? Was ist richtig, was falsch? Wie soll ich mich entscheiden? Lass dich gerne zu diesen Fragen von der Weisheit der Indianer inspirieren.

Die zwei Wölfe

Unter dem weiten Sternenhimmel, unter dem Licht des Ahnenmondes, unter der Decke des Großen Geistes saßen Roter Hirsch, der Älteste des Volkes, und Kurzer Pfeil, der Sohn seines Enkels, am wärmenden Feuer. Es war die erste Lange Jagd Kurzen Pfeils gewesen; die Jagd die ihn zum Mann machen sollte. Schweigend saßen sie eine Weile, lauschten der Stille und den eigenen Gedanken.

„Großvater“, begann der Junge zögerlich, „ich soll ein Jäger werden und ich habe mit deiner Hilfe nun meine erste Lange Jagd beendet. Doch die Ruhe will nicht in mein Herz einkehren, heiter und fröhlich ging ich mit dir auf meine erste Jagd, doch bald war ich unruhig und traurig, weil ich keine Spuren fand. Als du mir sie zeigtest, wurde ich sogar wütend und vertrieb mit meinen lauten Worten das Büffelkalb, das wir sonst erlegt hätten. Am Morgen war mein Herz weit vor Freude über den Himmel, die Erde und das Wasser, doch am Nachmittag hasste ich die Sonne, die Menschen und mich selbst. Warum ist das so, Roter Hirsch, Vater meines Vaters Vater?“

Roter Hirsch sah in den Himmel hinauf, sah ins Feuer, sah in sein Herz. Nach langem Schweigen sprach er schließlich: „Seit Anbeginn der Welt, noch bevor der Coyote, der Trickreiche, durch die Prärie streifte, noch bevor unser Volk auf Pferden ritt, leben im Herzen eines jeden Menschen zwei Wölfe. Der eine ist weiß und strahlt wie die Mittagssonne, der andere ist schwarz wie die mondlose, wolkenverhangene Nacht. Erbittert kämpfen beide miteinander.“

„Kämpfen diese Wölfe denn auch in meinem Herzen?“, fragte Kurzer Pfeil und legte die Hand auf seine Brust.

„Ja, auch in deinem Herzen“, nickte der Alte. „Auch in meinem Herzen, auch in dem deiner Schwestern und Brüder, deines Vaters und deiner Mutter. Sie leben und kämpfen im Herzen eines jeden Menschen. Doch die Wölfe unterscheiden sich nicht nur in der Farbe ihres Fells. Der schwarze Wolf fletscht die Zähne, er droht und knurrt und beißt, er ist rachsüchtig, grausam und gierig. Der weiße Wolf aber ist klug, sanft und liebevoll. Er liebt die Menschen und ist gütig und weise.“

Kurzer Pfeil sah lange in die Glut des erlöschenden Feuers. Schließlich fragte er leise: „Wird aber nicht der schwarze Wolf den weißen töten? Ist nicht im Kampf der Wütende dem Sanften überlegen? Und was geschieht, wenn der schwarze Wolf den weißen Wolf erst besiegt hat?“

Kurzer Pfeil, denk nach: Kannst du den großen Helden Tamahanaka besiegen, nur weil du voll Wut bist?“

„Nein. Es kommt auf die Stärke und das Können an. Aber welcher Wolf ist nun der stärkere? Welcher wird den Kampf gewinnen?“

„Der, den du fütterst“, antwortet der Alte.

(aus: „Füttere den Weißen Wolf“ von Ronald Schweppe und Aljoscha Long)

Positive Psychologie

Für mich ist diese Geschichte der Inbegriff der Positiven Psychologie. Es gibt nicht entweder nur die „dunkle“ oder nur die „helle“ Seite der Dinge. Beide existieren gleichzeitig, beide werden gesehen, beide sind jederzeit existent. Es ist immer wieder eine Frage unserer persönlichen Entscheidung, welchen der beiden „Wölfe“ wir füttern möchten.

Wenn du mehr über das Thema „Balance der Polaritäten“ lesen möchtest, dann empfehle ich dir meinen Blogbeitrag über Yin und Yang im Business.

Gibt es eine Geschichte, die dein Leben verändert hat? Welches ist deine Lieblingsgeschichte? Teile sie gerne mit uns im Kommentarfeld oder schicke eine Mail.


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2 Kommentare

  1. MM 25. Juni 2020
    Antworten

    Sehr schöne Geschichte!

    Mal wird der eine zu stark gefüttert, mal der andere; die Balance herzustellen ist die „Kunst“ 😉

    Lieber Gruß
    MM

    • Angela Mende 25. Juni 2020

      …wie wahr! Beim „über“ Füttern kann ich auch Meister:in sein 😉

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