Yin Yang im Business

Balance von Kopf und Herz
Balance von Kopf und Herz

Balance der Polaritäten.

Tag und Nacht. Sommer und Winter. Vernunft und Emotion. Aktivität und Entspannung. Krankheit und Gesundheit. Distanz und Nähe. Diese Liste (scheinbarer) Gegensätze ließe sich endlos weiterführen. Fällt dir etwas auf? Gegensätze oder Polaritäten sind natürlicher Bestandteil des Lebens. Und schon sind wir direkt beim Yin-Yang-Prinzip, das ausdrückt, wie Leben, Mensch und Natur funktionieren: Grundlegende Gegensätze schließen sich tatsächlich nicht aus. Sie gehören vielmehr zusammen, benötigen einander und stärken sich gegenseitig. 

Yin und Yang im Alltag

Klingt erstmal schön, das mit der Einheit der Gegensätze. In der Umsetzung im beruflichen oder privaten Alltag gelingt das jedoch nicht immer locker flockig aus dem Ärmel: Pia liebt die Helligkeit und Wärme des Sommers. Wenn du sie fragst, könnte der kalte, dunkle Winter einfach mal ausfallen. Erfolgsmensch Berthold setzt ganz auf Vernunft und Dynamik, um seine Business-Performance vom letzten Jahr noch zu übertreffen. Mit Gefühlen oder Phasen der Entspannung hat er es nicht so. Merle war im Januar ständig krank, konnte nicht arbeiten und hat sich selbst auch noch für ihren schlechten Gesundheitszustand verurteilt. Alle Drei haben etwas gemeinsam: Sie gewichten eine der beiden Polaritäten zu stark, geben dem jeweils anderen „Zustand“ keinen Raum. Und laufen Gefahr, dabei selbst aus dem Gleichgewicht zu geraten.

Bestimmt kennst du diese Tendenz auch bei dir: Manchmal geraten die Polaritäten des Lebens aus der Balance, weil wir eine der beiden Seiten überbetonen und dabei das Gesamtbild aus dem Blick verlieren. Es lohnt sich also, das Prinzip einmal näher unter die Lupe zu nehmen.

 

Bedeutung von Yin und Yang

Dass Yin und Yang ihren Ursprung in der chinesischen Philosophie haben, wissen die meisten. Kaum ein spirituelles Symbol ist so bekannt wie der kosmische Kreis des Yin und Yang mit seinen geschwungenen, ineinanderfließenden Hälften. In dem Symbol, das übrigens Taijitu heißt, steht das weiße Yang dem schwarzen Yin gegenüber. Yang steht prinzipiell für hell, hart, heiß, männlich, positiv, aktiv und bewegt. Demgegenüber ist Yin dunkel, weich, feucht, kalt, weiblich, negativ, passiv und ruhig. 

Hast du bemerkt, wie harmonisch und beruhigend das Symbol wirkt? Das liegt wohl an dem ausgewogenen Verhältnis von Yin und Yang. Beide Polaritäten nehmen gleich viel Platz ein, fügen sich harmonisch zu einer Einheit. Und jede trägt die jeweils andere in sich.

 

Yin-Yang-Ungleichgewicht im Business

Als Business Coach treffe ich viele Menschen – vorwiegend im wirtschaftlichen Kontext. Was auffällt: Gerade im Business neigen wir dazu, unsere Erfolgsstrategien an Parametern wie Macht, Einfluss, Energie, Dynamik und Leistung auszurichten. Richtig, alles YANG. Unser schönes Yin-Yang-Kreissymbol gerät im Business also ordentlich in Schräglage. Denn YIN-Eigenschaften wie Emotion, Kreativität, Ruhe und Vertrauen kommen im Wirtschaftsleben schlichtweg zu kurz. Dabei haben wir doch gerade gelernt, dass das Eine das Andere zum Wachsen und Gedeihen braucht…

 

Meine fünf Yin-Yang-Erkenntnisse

Ja, dieser Text ist ein Plädoyer für eine bessere Integration von polarisierenden Faktoren im Business, gerade auch für Menschen mit Führungsverantwortung. Und das ist mehr als die ewige Forderung nach einer besseren Work-Life-Balance. Bei Yin und Yang geht es um die Fusion zweier unterschiedlicher Elemente – z. B. dynamisches Agieren und Ausruhen – zu einer tragfähigen Einheit, die beide Komponenten nährt. 

Und das sind meine persönlichen Top-Five-Erkenntnisse in Bezug auf Yin und Yang:

  1. Sobald das Verhältnis der Polaritäten, zum Beispiel Kopf und Herz, ausgewogen ist, entsteht eine große Erfülltheit im Leben – denn dann hat beides Platz zum Wachsen und Gedeihen. Beide Faktoren profitieren vom jeweils anderen.
  2. Wenn ich es schaffe, die Koexistenz von Polaritäten anzunehmen, ist das wie ein Befreiungsschlag. Denn ich kann endlich damit aufhören, mich krampfhaft immer nur an einen der beiden Pole klammern zu wollen. Nach dem Bad in der Menge kann ich auch das Alleinsein genießen – und der Frühling ist deshalb so ergötzend, weil er auf den kalten, dunklen Winter folgt. 
  3. Es gibt nichts, was zu einhundert Prozent Yin oder Yang ist, keinen Absolutismus von Yin und Yang. Letztendlich kommt es nämlich immer auf den Kontext an, meinen Bezugspunkt. Zum Beispiel ist niemand absolut betrachtet stark oder schwach: Im Team-Meeting kann ich mich als stark empfinden, während ich mich im Gespräch mit meinem Vorgesetzten als schwach wahrnehme. Mich persönlich entspannt dieser fehlende Absolutheits-Anspruch sehr, weil ich erkenne, dass immer der Kontext die Qualität unserer Erfahrung ausmacht.
  4. Wandel ist Teil des Systems, er ist essenziell für alles Leben. Deshalb macht es keinen Sinn, den natürlichen Wechsel von Yin und Yang zu blockieren – er wird sich dann selbst „gewaltsam“ seinen Weg bahnen. Ein Beispiel: Wenn ich ständig im Job durchpowere, ohne dem Gegenpol des Ausruhens Raum zu geben, werde ich mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann zusammenbrechen. Auf Dauer schwächen solche Brüche von einem Extrem ins andere mein ganzes System. Es gilt zu lernen, uns diesem Wandel anzuvertrauen und den natürlichen Rhythmus des Wandels ganz bewusst zu durchlaufen.
  5. Vom Konflikt zur Harmonie, von der Anspannung in die Freude: Wem es gelingt, auch im Business das Polaritätsprinzip von Yin und Yang zu erkennen, kann Veränderungsprozesse vertrauensvoll annehmen und gestalten – und selbst in einer scheinbar verfahrenen Situation fest von der inhärenten Lösung überzeugt sein. 

Wie denkst du über die Anwendbarkeit des Yin-Yang-Prinzips im Business? Hast du vielleicht damit schon Erfahrungen gemacht? Nutze gerne die Kommentarfunktion oder schreib mir eine E-Mail an mail@angelamende.de


Du möchtest keinen Blogpost verpassen? Dann kannst du „Angela bloggt HIER abonnieren. Dazu einfach deine Mail-Adresse eintragen, auf „Abonnieren“ klicken und – bitte nicht vergessen – einmal auf den Bestätigungslink klicken, den ich dir daraufhin per Mail zusende.

 

3 Kommentare

  1. Annette Dr.Schwieger 6. Februar 2020
    Antworten

    Liebe Angela, sehr interessant, daß das sozusagen „mein“Thema war am Future-We bei Victor. Die liegende 8, das Schwingen um zwei Pole, die sie nicht trennen lassen und deren untrennbare Existenz/Coexistenz wir als Menschen/Menschheit akzeptieren lernen müssen. Arbeit/Ausruhen aber auch Freude/Trauer oder Hoffnung/Verzweiflung oder Getrennt/Vereint oder Miteinander/Gegeneinander…. das ist wie die beiden Seiten unserer Hand und wir können sie eigentlich nur einzeln betrachten, denn wir versuchen beide gleich gut zu sehen, dann blicken wir nur auf die Kante und sehen keine Seite wirklich. Es kommt also auf das ausgewogene Schwingen an, was in dem wunderbaren Symbol gut sichtbar gemacht wird. Und so müssen wir auch die dunkle Seite manchmal durchleben und in ihr das Helle finden, denn auch das ist zu 100%da, wenn wir bereit sind es zu erblicken. Das hat etwas extrem Tröstliches für mich.
    Ein kleines Bespiel: der verheerende Sturm „Lothar“hat vor 20 Jahren sehr viele Bäume niedergemäht und rückblickend betrachtet in den betroffenen Gebieten Platz für einen Waldumbau geschaffen, der sich nun vorteilhaft erweist und letztlich überfällig.
    Ich sende Dir eine dankbare und liebevolle Umarmung liebe Freundin und viele liebe Grüße auch an Martin :)))))

    • Angela Mende 19. Februar 2020

      Liebe Annette,
      zum einen bin ich an deinem Wort „Tröstlich“ hängen geblieben und habe dem nachgespürt. Tröstlich kann ich nachempfinden. Ich würde sogar einen Schritt weitergehen und „friedlich“ einbringen. Wenn in dem Pol auch sein Gegenpol gesehen und angenommen werden kann.
      Und zum anderen hat es mich gefreut, dass Du als Beispiel in die Natur gegangen bist. Was für ein Lehrmeister für uns. Zeigt so vieles auf. Ist eigentlich so offensichtlich. Und macht greifbar.
      Mir kam sofort das Bild vor Augen, wenn ich am Tag bereits die Umrisse – mal mehr mal weniger schärfer – vom Mond sehen kann. Wenn das eine im anderen sichtbar ist.
      …ganz herzlich, Angela

Kommentar schreiben