Yin und Yang erleben

Respekt & Frieden
Respekt & Frieden

Schlicht und tiefgründig: Das Konzept von Yin und Yang. 

Kaum ein philosophisches Konzept ist so bekannt wie das von Yin und Yang. So eingängig wie es erscheint, so schwierig ist es im Alltag umzusetzen. Beginnen wir beim Ursprung. Folgende Geschichte ist überliefert vom Wesen von Yin und Yang:

Einst saßen Weise beisammen. Vor ihnen lag ein von der Sonne beschienender Hügel. Bei näherer Betrachtung stellten sie fest, dass zu ein und derselben Zeit unterschiedliche Qualitäten zu beobachten waren – eine Dualität. Auf der einen Seite des Hügels glänzte die Helligkeit, während die andere Seite in Dunkelheit gehüllt war. Einen Atemzug weiter erkannten sie noch mehr. In die glänzende Helligkeit sprenkelte sich zugleich ruhender Schatten ein. Und die Dunkelheit durchzogen sachte Lichtstreifen.

Yin und Yang: Ein Konzept, vier Gesetzmäßigkeiten

Bei Ying und Yang denken wir heute als Erstes an das kreisförmige Symbol: Zwei tropfenähnliche Flächen, eine schwarz, die andere weiß, bilden zusammen eine runde Form. Innerhalb der Tropfen sind kleine Kreise der jeweiligen Gegenfarbe beheimatet. Dieses Konzept symbolisiert vier Gesetzmäßigkeiten: 

Yin und Yang …

 … bedingen sich. Sie brauchen sich gegenseitig. Ohne Schwarz kein Weiß. Ohne Nacht kein Tag. Ohne Einatmen kein Ausatmen.

 … sind niemals absolut. Sie brauchen einen Bezugspunkt. Blicken wir dazu auf unseren Körper und seine Bewegungen: Bei einer horizontalen Bewegung verkörpert ein Ausbreiten der Arme ein Yang, ein Schließen der Arme ein Yin. In der vertikalen Bewegung verkörpert das Heben der Arme ein Yang, das Senken ein Yin.

 … sind konstant im Wechsel. Bleiben wir beim Körper: Öffne ich meine Arme horizontal, werde ich irgendwann ganz automatisch an meine physiologischen Grenzen der Ausbreitung gelangen. Und ganz selbstverständlich wechselt mein Körper in den Gegenpol, das Schließen der Arme. Doch sind die Arme über die Hände einmal geschlossen, ist ein Mehr an Schließen nicht mehr möglich. Irgendwann gleiten die Arme automatisch über in ein Öffnen. (Probiere es gerne aus.)

   beinhalten den jeweiligen Gegenpol. Hebe ich beispielsweise die Arme im Yang seitlich ausgebreitet nach oben, zeigen zugleich die Finger leicht nach unten. Lasse ich die Arme im Yin sinken, folgen die Handflächen verspätet und die Finger gleiten aufgerichtet nach unten.

Yin und Yang: Sich im Gegenüber erleben

Stell dir vor deinem inneren Auge eine Wippe auf einem Spielplatz vor. Im spielerischen Miteinander von Zweien bewegt sie sich unscheinbar, fast spielerisch. Ist trotz Bewegung in ausgewogener Balance. Und dann plötzlich: ein Schiefstand. Die Wippe ruht nur mehr auf einem Pol. In der Bewegungslosigkeit. Vielleicht ein Übermaß. Exzess. Wer kennt das nicht, dass einen der oder die Stärkere oben auf der Wippe „verhungern“ lässt? Dass sich das Gegenüber in übermäßiger Kraft (Yang) auslebt und sonnt. Oder auch eine Leere. Ein Fliegengewicht, das sich in die federleichte Schwebe (Yin) begibt. Allein bedeutet: Stillstand. Das Spiel ist beendet. Leer. Einsam. 

Ob Exzess oder Leere: Beide Seiten sind emotional berührt. Beide erleben Unterschiedliches. Und doch befinden sich beide im Stillstand.

Der Spaß ist aus. Das Wippen auch. Unwiderruflich. 

Es braucht ein Gegenüber, ein Miteinander. Ein liebevolles Ringen und Kräfte messen. Einen Ausgleich und ein Gleichgewicht. Ein bewegliches Wippen. Ein Gemeinsam sein im „Du und Ich“. Wie ich es vermisse, dieses gelebte Yin und Yang, diese lebendige Dualität! Es fehlt mir überall, besonders in den letzten Jahren: in unserer Gesellschaft, unserer Kultur, den Medien. In unseren Handlungen. In unseren Begegnungen. 

Gerade in diesen Tagen ziehen neue Stürme mit kraftvollen Windböen über die Welt. Rau. Temperamentvoll. Ansteckend. Kalt. Gerade jetzt braucht meine eigene „Hügellandschaft“ Schutz und Pflege von mir. Eine Balance. Ein bewusstes Hinschauen und Hinspüren. Es gilt, den eigenen Weg zu finden.

Tauche ein in die Welt deiner Hügel

Heute möchte ich dich einladen, in deine Hügellandschaft einzutreten und darin umherzureisen. Von kleinen zu großen Hügeln. Von sonnigen zu nebligen Hügeln. Erinnere dich an die Namen der Hügel oder vergib neue Namen. Benenne die jeweiligen Pole. Spiele bewusst mit dem Wechsel zwischen ihnen. Tauche ein in die Qualitäten der Pole – gerne mit Muße und Leichtigkeit. Entdecke in alldem achtsam die kleinen, winzigen Gegenpole und erkunde sie. 

Sei dir dabei gewahr, vor welchem Hügel du dich befindest: Während du achtsam und aufmerksam schaust, dir Zeit nimmst, deinem Hügel (Bezugspunkt/Thema) einen Namen gibst, die Pole benennst (Gegenpole), dich flexibel zwischen ihnen bewegst (konstant im Wechsel) und die Gegenpole in den Polen entdeckst (jeder Pol beinhaltet den Gegenpol), wird der Hügel selbst weder geschmälert noch beschönigt. Schenke dir dabei einen ganzheitlichen Blick. Dann werden ein Verstehen, Annehmen und Akzeptieren möglich. 

Bleibst du jedoch auf einer Seite haften, ist Verstehen schwer und Verändern noch mehr. Du bleibst quasi in einem der Pole „kleben“. Lebst dich dort aus. Badest in der Freude. Im Vertrauten. In der Empörung. Im Voyeurismus. In Erschöpfung. Eine solche Haltung macht es fast unmöglich, in Frieden miteinander zu leben.

Yin und Yang annehmen

Vielleicht magst du dich zu Beginn vor weich-schmiegsame Hügel (Hobby/Ernährung/Arbeit etc.) stellen, vor denen du beweglich in die Betrachtung eintauchen kannst. Hier kannst du im Erkunden das Fließen zwischen den Polen üben und voller Neugier die kleinen Gegenpole entdecken. Wage dich erst nach und nach an die größeren und schrofferen Hügel (Medien/Meinungen/Themen wie Krieg etc.) heran. Gestärkt und gewachsen am Betrachten der schmiegsameren Hügel, kannst du nun auch hier in den Erkundungs-Prozess eintauchen. Vielleicht bist du jetzt bereit, mutig auch jenes zu sehen, hören, schmecken, was heute noch ganz unliebsam oder ungewohnt erscheint. Und doch dazu gehört und Teil des Ganzen ist.

Reise durch deine Hügellandschaft, soweit du magst. Reise durch Täler und über Höhen. Halte in einer Landkarte fest, wie Yin und Yang deine Landschaft zeichnen. Denn vielleicht magst du eines Tages zurückkehren, um erneut einen Blick auf die Welt deiner Hügel zu werfen und zu erkennen, wie sie sich über die Zeit verändert hat. 

Yin und Yang in unser Leben einziehen lassen

Mit offenem Herzen unseren Hügeln begegnen. Mit offenem Blick alle Seiten betrachten. Mit geputzten Ohren hören. Respektvoll annehmen, was da ist. Jedem seine Berechtigung belassen. Gelingt das mir, gelingt das dir, gelingt das uns? Ich wünsche mir, dass wir in ein Akzeptieren kommen. Für eine Zukunft. Für ein Leben, ein Land. Für alle Menschen, für alle Nationen auf diesem Planeten. Für ein Leben in Gemeinschaft, das für mich vielsprechend und attraktiv ist.

Welche Erfahrungen hast du mit Yin und Yang gemacht?
In deinen Begegnungen, unserer Kultur, der Medienlandschaft und Politik, in unserem Land?
Wie erlebst du dich selbst im Yin und Yang? Im Sprechen und Tun?
Wo bist du im Schiefstand oder Stillstand? Wo in der Beweglichkeit?
Und was macht es für dich einfach bzw. schwer? Wann und mit wem?

Ich lade dich ein, Beobachter:in deiner selbst zu sein in der Hügellandschaft von Yin und Yang. Und freue mich über alles, was du mit mir dazu teilst.

Hier im Blog habe ich schon einmal über Yin und Yang geschrieben. Vielleicht magst einmal hineinlesen: Yin und Yang im Business


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