Die vier Gewänder: Bekenntnis zu dir selbst

Selbstachtung
Selbstachtung

Reaktionsmuster: So prägen sie unsere Beziehungen

Erinnerst du dich? Vier Reaktionsmuster hat die Psycho- und Familientherapeutin Virginia Satir beschrieben – Muster, nach denen wir unbewusst handeln, wenn wir mit anderen Menschen in Kontakt treten. Wir nutzen diese Reaktionsmuster universell und gestalten damit die Qualität unserer Beziehungen. 

Im letzten Blogbeitrag hast du die Handlungsmuster als vier Gewänder kennengelernt: Bei einer Erkundungstour durch den Kleiderschrank der Reaktionen sind wir förmlich in die unterschiedlichen Kleider hineingeschlüpft. Wir haben sie auf der Haut gespürt, uns hineingefühlt und sie danach zurück auf die Kleiderstange gehängt.

Wir haben die Außenwirkung der Kleidungsstücke genutzt, um damit unsere Bedürfnisse und Ängste zu verhüllen oder vermeintliche Unzulänglichkeiten zu verbergen. Wir haben uns hinter den Gewändern versteckt, um unser Inneres nicht preisgeben zu müssen.

Im Außen sind wir (mehr oder weniger) angepasst gekleidet und sichtbar. Unsere darunter verborgenen Bedürfnisse fallen nicht in Augenschein. Wir tragen unser Herz nicht auf der Zunge, wir teilen es nicht mit unserem Gegenüber. 

Diese äußerlichen Gewänder „kleiden“ unsere Gespräche, Kontakte und Begegnungen – „verkleiden“ sie. Sie prägen unseren Umgang mit anderen. Schützen uns vordergründig. Vermeiden authentische Begegnungen.

Die alternative Kleiderschrank-Übung

Hast du die letzten Wochen genutzt, um herauszufinden, wann du schwuppdiwupp in welches Gewand schlüpfst? Bei welchem Gegenüber? Welche Richtung eure Gespräche nehmen?

Wo ist dir Streit begegnet, wo bist du auf Krisen oder Konflikte gestoßen? Welche Gewänder wirfst du dir am liebsten über, welche verstauben auf der Kleiderstange?
[Falls du dich nicht mehr genau erinnerst: Hier kannst du die Übung „Erkundungstour durch den Kleiderschrank deiner Reaktionsmuster“ noch einmal nachlesen.]

Nun lade ich dich ein, kurz innezuhalten. Und nehme dich mit zu einer alternativen Kleiderschrank-Übung.
Angenommen, du würdest bei deiner nächsten Begegnung nicht gleich zu einem der vertrauten Gewänder greifen und dich flugs darin einhüllen (verstecken…).

Angenommen, du bleibst diesmal ganz bewusst bei dir: Du brichst mit deinen Gewohnheiten. Legst deine Reaktionsmuster-Schutzkleidung nicht an. Gezielt.
Weil du es so möchtest.
Wie sehen nun deine Begegnungen und Kontakte aus?

Selbstachtung: Dein Bekenntnis zu dir selbst

Stell dir vor, du kannst bei deiner nächsten Begegnung ganz du selbst sein.
Ungekünstelt, ungeschönt. Echt.
Magst du es ausprobieren? Eintauchen in dich selbst. Zu dir kommen. Nach Hause.
Dann lade ich dich dazu mit dem folgenden Text ein.

Ich achte mich selbst.

Ich bin ich.
Genauso wie ich bin.

Mein Herz schlägt
Und lässt mich leben.

Schlägt ruhig und gleichmäßig
ich muss es nicht daran erinnern.

Die ganze letzte Nacht,
heute den ganzen Tag,
seit meiner Geburt.
So einfach kann das Leben sein 

Ich bin ich.

Auf der ganzen Welt ist keiner, der mir gleicht.
Ähnelt, vielleicht. Jedoch nicht vollkommen gleicht.
Es mag Menschen geben, die mir manchmal ähneln oder sind wie ich.
Doch ist niemand in allem wie ich.

Deshalb ist alles mein, was ich bin und was ich tue. Ich bin ich.
Ich habe es gewählt.
Bewusst oder unbewusst.

Alles, was Teil von mir ist, gehört mir.
Mein Körper, und was er tut.
Mein Geist, und was er denkt.
Meine Seele, und was sie fühlt.

Alles, was ich fühle und berühre,
was ich träume und hoffe,
was ich fürchte und verdamme,
gehört mir allein.

Die Illusion.
Das Nicht-Verstehen.
Die Unfähigkeit.

Ich lerne, alldem zu vertrauen.
Denn ich bin ich.

Liebe und Freundlichkeit
als Wegweiser zu mir selbst.

Mut und Hoffnung
als Wegweiser aus der Wirrnis.

Meine Worte,
meine Handlungen,
sind Spiegel dessen,
was ich jetzt bin.

Ich bin frei
aufzugeben, was nicht passte.
zu bewahren, was passte,

Neues offenen Herzens zu begrüßen.

Ich sehe.
Ich höre.
Ich fühle.
Ich denke.
Ich spreche.
Ich handle.

Ich bin ich.
So ist es gut.

Wie du deine Begegnungen selbstbestimmt gestaltest

Angenommen, du gehst in die nächste Begegnung mit diesem Bekenntnis zu dir – mit dieser neu gewonnen Selbst-Erkenntnis. 

Höre in dich hinein:
Wie fühlst du dich ohne schützendes Gewand?
Was ist jetzt anders?
Was ist neu in deinem Denken und Handeln?
Was fällt leicht? Was schwer?
Welches Kleid bleibt unbedingt auf der Stange?
Was macht deine Art zu führen besonders?
Was kannst du tun, damit du in deinem Selbst-Bekenntnis bleibst?
Wie kannst du dich lösen von dem, was nicht mehr passend ist?
Wie kannst du dich deinem Gegenüber noch näher fühlen, ohne dich selbst dabei zu verlieren?
(Formuliere gerne auch deine ganz persönlichen Fragen, die dir dabei helfen, deine Beziehungen noch bewusster zu gestalten.)

Ich beglückwünsche dich zu dieser Reise in dein Inneres, die du gemeinsam mit mir angetreten hast! Und ja, ich weiß: Es ist ein Abenteuer, so ganz ohne schützendes Gewand in eine Begegnung zu gehen. Sei deshalb bitte nicht zu streng mit dir, ja? Es ist normal, hin und wieder reflexartig zu einem liebgewonnenen Kleidungsstück zu greifen. Gestatte es dir – um dir bei der nächsten Begegnung erneut bewusst zu machen, wie befreiend es ist, selbstbestimmt und ohne Schutzmantel deine Beziehungen gestalten – weil du du bist. So einfach kann das Leben sein.


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